Reportage

Leni Alexander: „Das Leben ist kürzer als ein Wintertag“

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Leni Alexander wurde am 08.06.1924 in Breslau geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie jedoch in Hamburg. Bis 1939 wuchs sie in der Gryphiusstr. 3 auf. Hier erlebte sie die Machtübernahme der Nationalsozialisten und deren Hetze gegen die jüdische Bevölkerung. Nach der Zerstörung der Hamburger Synygoge während der Reichsprogomnacht vom 09. auf den 10. November 1938 enschlossen sich ihre Eltern zur Flucht aus Deutschland. Über Amsterdam emigrierten sie 1939 nach Chile.

In Chile studierte Leni Alexander Komposition u.a. bei Free Focke, Pierre Boulez, Olivier Messiaen, René Leibowitz und Bruno Maderna. Ab den 1950er Jahren führten die junge Komponistin eine Reihe von Studienaufenthalten wieder nach Europa, u.a. nach Paris, Venedig und Köln. Nach dem Militärputsch 1973 in Chile musste Leni als Anhängerin Allendes ein weiteres Mal um ihr Leben fürchten. Einen Besuch in Paris verlängerte sie deshalb zum zweiten Exil. Erst 1986 kehrte sie nach Chile zurück. Am 07. August 2005 starb Leni Alexander in Santiago de Chile.

In ihren Kompositionen und Hörspielen brachte Leni Alexander ihre Erlebnisse mit zwei Diktaturen und ihre jüdische Identität ein. In dem Hörspiel „Das Leben ist kürzer als ein Wintertag“ (1989) verarbeitete sie ihre Erfahrungen als Mädchen in Hamburg unter der NS-Diktatur sowie die Folgen des Pinochet-Regimes in Chile:

„Es ist Montag morgen, die Flagge wird gehißt. Sämtliche Schülerinnen des Hamburger Real-Gymnasiums stehen in Gruppen eingeteilt im windigen Hof, den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben. Vor ihnen steht Fräulein Klaum, ihr Haar straff nach hinten gekämmtund zu einem Knoten gebunden. Sie liest Hitlers letzte Rede vor; der Appell dauert schon fast eine Stunde“ (zit. n. Frankenbach 2000, 354).

El Malecón: Das längste Wohnzimmer der Welt

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Man sagt von ihm, er sei das heimliche Zentrum der Stadt. Die Toten Hosen ließen sich hier ablichten und jeder Tourist der von sich behaupten will, den Puls der Metropole tatsächlich gespürt zu haben, muss hier einmal entlang flaniert sein. Dabei ist er doch nur eine Ufermauer aus Stein. Mit seinen rund 90 Jahren jedoch schon so mit Mythen umwoben, dass man ihn mit Ölfarben auf Leinwand gebannt hat, in Romanen zum Zentrum des Lebens machte und Filme darum entstehen ließ.

Der Malecón. Einst Prachtboulevard, ist heute genauso widersprüchlich wie Havanna selbst. Dreckig bei Vieja, der Altstadt, wo sich oft drei, vier oder fünf Familien eine Wohnung teilen und sauber heraus geputzt bei Vedado, dort wo die Mafia ihre Hotels in den Himmel wachsen ließ und die USA ihre Interessensvertretung unterhält.

Er ist ein Ort der Propaganda, ein idealer Treffpunkt für Schwarzmarktgeschäfte, doch vor allen Dingen ein authentischer Raum des kubanischen Lebens. Ein öffentliches Wohnzimmer sozusagen. Und das längste noch dazu.

Tanzania – Barfuß über Gold laufen

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Ökonomisch gesehen, gehört der ostafrikanische Staat Tanzania zu den ärmsten Ländern der Welt. Der größte Teil der Menschen lebt von der Landwirtschaft. Das Einkommen einer Bauernfamilie beträgt oft nur wenige hundert Dollar im Jahr.

Der Viktoriasee bei Mwanza ist so groß wie Irland. In ihm leben zirka 550 verschiedene Fischsorten. In den 1960er Jahren wurde hier der Nilbarsch ausgesetzt, der als Viktoriabarsch inzwischen weltweit exportiert wird. Der gefräßige Nilbarsch vernichtet jedoch andere Fischarten und entwickelt sich zum ökologischen Desaster.

Tanzania ist reich an Bodenschätzen. Bei Geita wird Gold abgebaut. Die Erde ist mit Gold durchsetzt. Internationale Firmen organisieren hier die Goldgewinnung. Von den Gewinnen bleibt jedoch nur wenig im Land. Die Menschen laufen hier im wahrsten Sinn barfuß über Gold.

Reich ist Tanzania auch an Kultur. Über 130 verschiedene Völker sprechen mehr als 120 verschiedene Sprachen. Einen hohen Stellenwert hat die Tradition, zum Beispiel in der Form von natürlicher Heilmedizin. Das Wissen dieser traditionellen Ärzte, der Waganga, fließt inzwischen auch in die Schulmedizin mit ein.